Tabubrecher – aufräumen mit Vorurteilen und Ausgrenzung

Immer wieder haben wir von unseren Besucherinnen und Besuchern gehört, dass sie sich ausgegrenzt fühlen – obwohl es wichtig für sie wäre, mit Freunden, Familie, Kollegen und anderen Menschen aus ihrem sozialen Umfeld über ihre psychische Erkrankung zu reden.

Psychisch Kranke sichtbar machen

Da Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung meist auf Unkenntnis beruhen, riefen wir 2011 ein Aktionsjahr aus: „Tabubrecher – Wir räumen auf mit Vorurteilen und Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Erkrankungen“. Mit Tanzprojekten, Videos, Experteninterviews und publikumswirksamen Veranstaltungen stellten wir eine Öffentlichkeit her für die Belange von jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Wir sind Tabubrecher – immer und überall

Nach wie vor steht unsere tägliche Arbeit unter diesem Aspekt: Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs zu schaffen und die Öffentlichkeit für psychisch erkrankte junge Menschen zu sensibilisieren. Bewährte Tabubrecher-Elemente werden verstärkt weitergeführt, etwa das Schulprojekt.

Hintergrund: Die Erfahrungen junger psychisch Erkrankter

Seit Bestehen des Beratungscafés unplugged haben wir viel über die Nöte und Probleme junger Menschen erfahren. Immer wieder hören wir, dass sie seit ihrer Erkrankung Ausgrenzung erfahren: Freunde haben sich zurückgezogen, Verwandte distanziert. Arbeitgeber haben nach dem Ausbruch der Erkrankung die erste Möglichkeit zu einer Kündigung genutzt.

Dabei sehnten sich unsere Besucherinnen und Besucher nach Zuspruch und Verständnis. Manche haben aus Furcht vor Ablehnung gar nicht erst probiert, über ihre Probleme zu reden, andere erlebten Unverständnis oder wurden nicht ernst genommen.

Die jungen Menschen sind mit der Ordnung ihres eigenen Lebens und mit der Auseinandersetzung mit ihrer Erkrankung ausgelastet. Die Unsicherheit, wie ihr Umfeld auf die veränderte Situation reagiert, belastet die Jugendlichen zusätzlich. Oft folgt ein sozialer Rückzug, der sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

Trotz einer Zunahme psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft und einem Zuwachs an Information in den Medien sehen sich Betroffene noch immer Stigmatisierungen ausgesetzt, erleben gesellschaftliche Ausgrenzung und mangelnde Teilhabe.

Ziele der Aktion

Wir wollen Möglichkeiten schaffen, ins persönliche Gespräch zu kommen, psychische Erkrankungen zum Thema zu machen und damit aktiv der vorherrschenden Sprachlosigkeit entgegenzuwirken.

Ziel ist die differenzierte Auseinandersetzung der Gesellschaft mit den Themen der psychischen Erkrankung. Durch fundierte Informationen und persönliche positive Erfahrungen kann eine neue Sicht der Bürgerinnen und Bürger hergestellt werden, die von Verständnis für die jungen Menschen mit psychischen Problemen geprägt ist. Wir müssen Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass sie in einer Welt aufwachsen, die sie als Person akzeptiert und in ihrer Entwicklung ernstnimmt und unterstützt.

In einer Gesellschaft, in der psychische Erkrankungen kein Tabuthema sind, werden die Zahl der Erkrankungen und die Schwere des Verlaufs abnehmen. Nur ein kleiner Teil der psychisch erkrankten Menschen nimmt derzeit eine Behandlung in Anspruch – oft aus Unwissenheit, aber auch aus Angst vor Stigmatisierung. Je früher ein Mensch sich einem positiven Umfeld offenbaren kann und je früher professionelle Hilfe angenommen wird, umso besser sind die Prognosen für den Verlauf der Erkrankung.

Deswegen ist es uns ein großes Anliegen, Vorurteile und Stigmatisierungen gegenüber Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen abzubauen und Möglichkeiten der Begegnung mit Betroffenen zu schaffen.

Tabubrecher werden

So können Sie Tabubrecher werden:

  • Sie können uns unterstützen in dem, was wir tun.
  • Sie können Multiplikator werden und darüber reden, was wir tun und welche Erfahrungen wir in unserer alltäglichen Arbeit machen.
  • Sie können als Tabubrecher auf persönlicher Ebene über psychische Erkrankungen sprechen.
  • Sie können Vorurteile abbauen und psychische Erkrankungen als das nehmen, was sie sind: Ein Notfallprogramm der Psyche, um mit außergewöhnlichen Belastungen umzugehen. Psychisch Erkrankte sind nicht verrückt – reden Sie darüber.
  • Sie können mit uns an weiteren Ideen arbeiten und sie gemeinsam mit uns umsetzen. Denkbar ist hier vieles – wir freuen uns über Anregungen!
  • Tabubrecher wird auch mit Ihnen zu einer Plattform des Austauschs und der Begegnung Betroffener und nicht Betroffener.
Schirmherrschaft

Schirmherrin der Aktion Tabubrecher ist Roswitha Beck, Gattin des ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck.

Sie setzt sich seit vielen Jahren engagiert für die gesellschaftliche Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein. Dank ihrer Initiative wurde 1995 der Verein zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz e.V. gegründet.

Mit diesem Verein sind wir seit unserem Bestehen eng verbunden. So konnten wir bereits bei der Eröffnung auf seine finanzielle und strukturelle Hilfe bauen. In den letzten Jahren wurde unsere Kooperation weiter ausgebaut. Auch das Aktionsjahr Tabubrecher wurde von dem Verein finanziell gefördert.

Frau Beck liegen die Ziele, die wir mit Tabubrecher verbinden, genauso am Herzen wie uns. Sie kennt die Probleme der Menschen mit psychischen Erkrankungen, und sie weiß, wofür sie einsteht, wenn sie Tabubrecher unterstützt.

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